Kenan Karaman erhält die Auszeichnung als Spieler der Saison der 2. Bundesliga und steht bei Schalke vor der Hoffnung auf eine WM-Teilnahme mit der Türkei.

Kenan Karaman erhält die Auszeichnung als Spieler der Saison der 2. Bundesliga und steht bei Schalke vor der Hoffnung auf eine WM-Teilnahme mit der Türkei.

Es gibt Spieler, deren Entwicklung lässt sich nicht sauber an einer Statistik erzählen. Bei Kenan Karaman ist es genau andersherum: Die Zahlen sind stark, aber sie erklären trotzdem nur einen Teil dieser Schalker Saison.

Der 32-Jährige führte den FC Schalke 04 als Kapitän zur Zweitliga-Meisterschaft und zurück in die Bundesliga. Beim letzten Heimspiel gegen Eintracht Braunschweig nahm Karaman schließlich die Meisterschale entgegen und setzte mit Schalke den Schlusspunkt unter eine Saison, die mit dem Bundesliga-Aufstieg und der 70-Punkte-Marke endete. Zusätzlich wurde er von der DFL zum Spieler der Saison in der 2. Bundesliga gewählt.

Dieser Erfolg bleibt nicht ungesehen: Karaman steht nun im erweiterten WM-Kader der Türkei. Für einen Spieler, der mit Schalke abstieg und in der Vorsaison noch gegen den Absturz in die Drittklassigkeit kämpfte, ist das eine bemerkenswerte Wendung.

Sportlich war Karaman der Fixpunkt dieser Mannschaft. 14 Tore und fünf Vorlagen in 32 Ligaspielen machten ihn zum besten Schalker Torschützen und wichtigsten Offensivspieler der Aufstiegssaison. Besonders symbolisch: Sein Treffer gegen Fortuna Düsseldorf leitete Anfang Mai die endgültige Rückkehr in die Bundesliga ein.

Doch Karamans Wert lag nicht nur in Toren und Assists. Er gab dieser Mannschaft Struktur, Präsenz und Verlässlichkeit. Schalke hatte in dieser Saison mehrere prägende Figuren, aber Karaman war der Spieler, an dem sich vieles bündelte: Verantwortung, Leistung, Außendarstellung und emotionale Führung.

Gerade deshalb ist seine Geschichte bemerkenswert. Als Karaman 2022 nach Gelsenkirchen kam, war Schalke ein Bundesliga-Aufsteiger auf wackligen Beinen. Es folgte der Abstieg, danach eine chaotische Zweitliga-Saison, in der der Klub lange näher an der 3. Liga als an der Rückkehr ins Oberhaus wirkte. Karaman blieb, wurde Kapitän und entwickelte sich nicht nur sportlich, sondern auch in seiner Rolle weiter.

Realistisch bleibt die Hürde hoch. Die Türkei verfügt offensiv über Spieler aus europäischen Topligen. Nationaltrainer Vincenzo Montella wird abwägen, welche Profile er für das Turnier wirklich braucht. Ein starker Zweitliga-Spieler hat es in solchen Vergleichen naturgemäß schwerer als ein Stammspieler aus einer der großen ersten Ligen.

Trotzdem ist Karamans Nominierung für den erweiterten Kader mehr als eine nette Randnotiz. Wer über eine komplette Saison liefert, als Kapitän eine Mannschaft zum Aufstieg führt und anschließend zum besten Spieler der Liga gewählt wird, zwingt sich zumindest in die Diskussion. Für Karaman dürfte nun entscheidend sein, ob Montella in ihm einen erfahrenen, vielseitigen Offensivspieler sieht, der einer Turniermannschaft auch außerhalb der Startelf helfen kann.

Für Schalke ist die Nachricht unabhängig vom Ausgang positiv. Sie zeigt, dass die Aufstiegssaison wieder Wahrnehmung erzeugt. Vor einem Jahr stand der Klub sportlich und emotional an einem ganz anderen Punkt. Jetzt wird der eigene Kapitän als möglicher WM-Fahrer diskutiert.

Ob Karaman am Ende tatsächlich mit der Türkei zur Weltmeisterschaft reist, bleibt offen. Sollte er den Sprung in den endgültigen WM-Kader der Türkei schaffen, wird Inside Schalke seine Auftritte beim Turnier begleiten. Gleiches gilt für weitere Schalker WM-Fahrer: Wir behalten die Spiele, Einsatzzeiten und Entwicklungen im Blick und ordnen ein, was sie für Schalke bedeuten.

Text: Marcel Schwering

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