Adil Aouchiche (FC Schalke 04) freut sich über das Tor zum 1:0. Foto: KROEGER/RHR-FOTO

Adil Aouchiche (FC Schalke 04) freut sich über das Tor zum 1:0. Foto: KROEGER/RHR-FOTO

Mit dem letzten Heimspiel der Saison hat Schalke 04 noch einmal gezeigt, warum die Königsblauen in dieser Spielzeit das Maß der Dinge in der 2. Bundesliga waren. Vor 61.320 Zuschauern in der ausverkauften VELTINS-Arena bezwangen die Knappen Eintracht Braunschweig mit 1:0 und knackten damit als Zweitligameister die 70-Punkte-Marke.

Schon vor dem Anpfiff bekam dieser Saisonabschluss seinen emotionalen Rahmen. Christopher Antwi-Adjei, Henning Matriciani und Paul Pöpperl wurden auf dem Rasen verabschiedet, ehe Schiedsrichter Dr. Robert Kampka die Partie freigab. Miron Muslic nahm im Vergleich zum Spiel in Nürnberg drei Änderungen vor: Loris Karius kehrte nach der Geburt seines Sohnes ins Tor zurück, außerdem begannen Hasan Kuruçay und Moussa Ndiaye für Felipe Sanchez und Vitalie Becker. Nikola Katic stand nach seiner Knieverletzung wieder im Kader.

Das Spiel selbst war kein Spektakel, aber eines mit Substanz. Braunschweig kam mit einem klaren Plan nach Gelsenkirchen. Die Gäste wollten aus einer angepassten Grundordnung heraus Umschaltmomente gegen die hohe Schalker Kette erzwingen und zugleich den eigenen Klassenerhalt absichern. Phasenweise gelang das, ohne Schalke jedoch dauerhaft aus der Kontrolle zu bringen.

Phasenweise gelang das. Doch die Statistiken erzählen die eigentliche Geschichte: 13 Torschüsse standen Schalke gegen sechs der Gäste gegenüber, vier davon auf den Kasten. Braunschweig brauchte einen guten Torwart und, wie Kornetka in der Pressekonferenz offen zugab, auch ein bisschen Spielglück, um lange im Spiel zu bleiben.

Die erste große Schalker Chance hatte Soufiane El-Faouzi in der elften Minute. Nach Vorarbeit von Timo Becker kam er aus rund 15 Metern zum Abschluss, sein abgefälschter Schuss landete am rechten Pfosten. Wenig später forderten die Knappen nach einem Zweikampf zwischen Moussa Sylla und Kevin Ehlers einen Elfmeter, die Pfeife blieb aber stumm. Auch Adil Aouchiche scheiterte früh aus spitzem Winkel an Ron-Thorben Hoffmann. Auf der Gegenseite musste Loris Karius bei einem Flachschuss von Lino Tempelmann zupacken.

In der 27. Minute jubelte dann zunächst der Gästeblock. Fabio Kaufmann traf per Direktabnahme, doch der Treffer zählte wegen einer Abseitsposition von Faride Alidou in der Entstehung nicht. Schalke blieb davon unbeeindruckt und schlug neun Minuten später selbst zu. Timo Becker schickte Kenan Karaman über rechts, der auf Dejan Ljubičić weiterleitete. Dessen Hereingabe fand Moussa Sylla im Zentrum. Hoffmann parierte den Abschluss des Angreifers, doch Aouchiche stand richtig und staubte aus kurzer Distanz zum 1:0 ab.

Es war ein Tor, das gut zu dieser Schalker Saison passte: kollektiv vorbereitet, über mehrere Stationen sauber ausgespielt und im entscheidenden Moment kaltschnäuzig verwertet. Kein Zaubertor, aber ein Treffer mit genau der Konsequenz, die Schalke über weite Strecken dieser Zweitliga-Spielzeit ausgezeichnet hat.

Nach dem Seitenwechsel hatte Schalke mehrfach die Möglichkeit, das Spiel früher zu entscheiden. Sylla kam nach einem Karaman-Kopfball aus kurzer Distanz zum Abschluss, scheiterte aber an Hoffmann. Später verpasste der Angreifer eine Hereingabe knapp, Aouchiche setzte einen Freistoß nur wenig über das Tor.

Braunschweig blieb dadurch im Spiel, ohne Schalke wirklich ins Wanken zu bringen. Die Gäste mussten selbst immer im Blick behalten, was auf den anderen Plätzen passierte. Die knappe Niederlage reichte am Ende zum Klassenerhalt. Für die Eintracht war es deshalb ein seltsamer Nachmittag: verloren, aber trotzdem gerettet.

Schalke nutzte die zweite Halbzeit auch für besondere Momente. Edin Džeko kam ebenso in die Partie wie Vitalie Becker. Nikola Katic feierte nach seiner Verletzung sein Comeback und wurde von den Fans entsprechend empfangen.

In der Schlussphase hatte Schalke noch Gelegenheiten auf das zweite Tor. Vitalie Becker verfehlte nach einem Konter knapp, außerdem verhinderte Kevin Ehlers vor dem einschussbereiten Džeko einen weiteren Treffer. So blieb es beim 1:0. Ein knappes Ergebnis, aber kein glücklicher Sieg.

Nach dem Abpfiff richtete Miron Muslic den Blick nicht nur auf die 90 Minuten, sondern auf die komplette Arbeit hinter dieser Saison. Elf Monate habe sein Team durchgearbeitet – mit nur acht oder neun freien Tagen im Winter. „Hinter jedem erfolgreichen Team steckt ein Team“, sagte Muslic, der ausdrücklich das gesamte Backoffice hervorhob: Analyse, Performance, Medizin, über 60 Menschen täglich im Hintergrund. Den Meistertitel nannte er verdient – und das lässt sich mit 70 Punkten am Saisonende kaum bestreiten.

Genau so lässt sich diese Saison auch lesen. Schalke hat den Titel nicht mit einem einzelnen Lauf gewonnen, sondern über Stabilität, Widerstandsfähigkeit und eine klare Entwicklung.

Für Schalke war es der würdige Abschluss einer außergewöhnlichen Saison. Ab Sommer spielt Königsblau wieder erstklassig.

Text: Marcel Schwering

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