
Schalke-Fans zeigen beim Heimspiel gegen Eintracht Braunschweig die XXL-Choreo „Kaiser im Revier“ in der Veltins-Arena. Foto: KROEGER/RHR-FOTO
Der sportliche Höhepunkt stand schon vor dem Anpfiff fest. Der FC Schalke 04 ging als Zweitliga-Meister und Bundesliga-Aufsteiger in das letzte Heimspiel gegen Eintracht Braunschweig. Doch bevor auf dem Rasen der letzte Akt dieser Saison begann, setzte die Schalker Fanszene noch einmal ihr eigenes Ausrufezeichen.
Unter dem Motto „Kaiser im Revier“ verwandelten die S04-Anhänger die Veltins-Arena in ein blau-weißes Gesamtbild. Schon im Vorfeld hatten die Ultras Gelsenkirchen die Stadionbesucher gebeten, sich nach Rängen in den Vereinsfarben zu kleiden: oben Blau, unten Weiß. Der Plan ging auf. Weite Teile der Arena wurden Teil einer Choreo, die dem letzten Heimspiel den passenden Rahmen gab.
Bereits am Samstag hatte sich gezeigt, wie groß die Euphorie rund um das Saisonfinale war. Für die passenden Choreo-Shirts bildeten sich an der Arena lange Schlangen. Tausende Fans machten sich auf den Weg, um sich eines der Shirts zu sichern. Dass ein T-Shirt-Verkauf rund um Schalke solche Dimensionen annimmt, passt zu einem Verein, der selbst in schwierigen Jahren selten an Wucht verliert.
Am Sonntag wurde aus dieser Vorbereitung dann ein eindrucksvolles Stadionbild. Beim Einlaufen der Mannschaft hielten die Fans blaue und weiße Pappen in die Höhe. Auf der Gegengeraden war ein riesiges Banner mit einem Herrscher auf dem Thron zu sehen, bekleidet mit S04-Trikot. Dazu der Schriftzug: „Kaiser im Revier“.
Die Botschaft war klar. Schalke feierte nicht nur den eigenen Aufstieg, sondern auch die Rückkehr eines Selbstbewusstseins, das in den vergangenen Jahren oft genug auf die Probe gestellt wurde. Nach sportlichen Abstürzen, finanziellen Zwängen und schwierigen Zweitliga-Momenten beanspruchte Königsblau für diesen Sonntag wieder den großen Platz im Revier.
Ganz zufällig dürfte diese Wortwahl nicht gewesen sein. Im Ruhrgebiet wird fußballerische Bedeutung traditionell nicht leise verhandelt. Dortmund spielte in den vergangenen Jahren sportlich in anderen Sphären, Bochum hielt sich zuletzt in der Bundesliga. Doch an diesem Nachmittag erinnerte Schalke daran, dass Größe im Revier nicht nur über Tabellenplätze definiert wird, sondern auch über Masse, Identität und Kurvenkraft.
Der Zusatz „Kaiser im Revier“ funktionierte deshalb auf mehreren Ebenen. Als Aufstiegsfeier. Als Selbstironie mit breiter Brust. Und als kleiner Hinweis an die Nachbarschaft, dass Schalke nach der Rückkehr in die Bundesliga wieder hörbarer mitreden will.
Auch der Vereinscharakter wurde sichtbar. Auf Teilen der Choreo war der Hinweis „Eingetragener Verein“ zu sehen. Das ist auf Schalke mehr als eine juristische Randnotiz. Es gehört zum Selbstverständnis vieler Fans, dass dieser Klub seinen Mitgliedern gehört und nicht einem Investor, Konzern oder Einzelbesitzer. Gerade in einer Fußballwelt, in der Besitzverhältnisse und Kapitalmodelle immer stärker diskutiert werden, war auch das eine bewusst gesetzte Botschaft.
Die Choreo passte zudem in eine Reihe größerer Dresscode-Aktionen der vergangenen Jahre. Schon gegen Eintracht Frankfurt, Hansa Rostock und Elversberg hatte die Fanszene ähnliche Bilder geschaffen. Der Unterschied diesmal: Die Stimmung war eine völlig andere. Wo frühere Aktionen teilweise vor Frust, Protest oder sportlicher Enttäuschung standen, war gegen Braunschweig kollektive Vorfreude spürbar.
Text: Marcel Schwering
