
Die Mannschaft des FC Schalke 04 im Kreis vor einem Spiel. Trotz Bundesliga-Aufstieg landet der S04 bei den Fernsehgeldern offenbar nur auf Rang 17 hinter dem SC Paderborn. Foto: RHR-Foto
Der FC Schalke 04 ist zurück in der Bundesliga. Sportlich ist das die erhoffte Rückkehr auf die große Bühne. Finanziell fällt der Sprung der Fernsehgelder aber offenbar kleiner aus, als viele rund um den S04 gehofft hatten.
Nach Angaben von Sky-Reporter Dirk große Schlarmann auf X liegt Schalke in der TV-Geld-Tabelle tatsächlich nur auf Rang 17. Damit stehen die Königsblauen hinter dem SC Paderborn und vor der SV Elversberg. Der Unterschied soll im Bereich von zwei bis drei Millionen Euro liegen.
Gerade dieser Punkt sorgt für Verwunderung. Schalke ist Zweitliga-Meister, hat eine enorme Fanbasis und bringt deutlich mehr öffentliche Strahlkraft mit als viele andere Klubs. Dazu kam die Hoffnung, dass der Abstieg des VfL Wolfsburg den S04 in der Verteilung weiter nach oben schieben könnte. Doch die TV-Geld-Tabelle folgt nicht der aktuellen Wahrnehmung, sondern einer festen Berechnungslogik.
Warum Schalke trotz Aufstieg nicht deutlich klettert
Die nationalen Medienerlöse werden von der DFL nach einem Vier-Säulen-Modell verteilt. 50 Prozent entfallen auf die Gleichverteilung, 43 Prozent auf die sportliche Leistung, vier Prozent auf den Nachwuchs und drei Prozent auf das Interesse. Ab der Saison 2025/26 erhalten die 36 Erst- und Zweitligisten pro Jahr 1,121 Milliarden Euro aus der nationalen TV-Vermarktung. Die Verteilung zwischen Bundesliga und 2. Bundesliga erfolgt weiterhin im Verhältnis 80:20.
Für Schalke ist vor allem die Leistungssäule entscheidend. Sie basiert auf einer Fünfjahreswertung. Die jüngste Saison zählt dabei am stärksten, ältere Spielzeiten fließen aber weiter in die Berechnung ein. Vereinfacht gesagt: Eine starke Aufstiegssaison hilft, sie löscht die schwachen Jahre davor aber nicht aus der Rechnung.
Genau hier liegt der Kern des Problems. Schalke hat mit der Meisterschaft 2025/26 sportlich geliefert, wird in der TV-Geld-Logik aber weiterhin von den vorherigen Zweitliga-Jahren belastet. Die Tabelle bewertet nicht nur den aktuellen Moment, sondern die Entwicklung über mehrere Spielzeiten.
Paderborn profitierte von mehr Konstanz
Dass ausgerechnet der SC Paderborn vor Schalke liegt, wirkt auf den ersten Blick ungewöhnlich. Der S04 wurde in der abgelaufenen Zweitliga-Saison Meister, Paderborn beendete die Saison als Dritter. In der Abschlusstabelle kam Schalke auf 70 Punkte, Elversberg und Paderborn folgten mit jeweils 62 Punkten auf den Plätzen zwei und drei.
In der Mehrjahresbetrachtung sieht das Bild aber anders aus. Paderborn war über mehrere Jahre ein stabiler Zweitligist im oberen Bereich. Schalke dagegen erlebte nach dem Abstieg zwei sportlich schwache Jahre, bevor unter Miron Muslic der Aufstieg gelang. Diese Jahre drücken die Königsblauen in der TV-Geld-Tabelle weiterhin nach unten.
Das erklärt, warum die größere Marke nicht automatisch mehr Geld bekommt. Schalke bringt Reichweite, Aufmerksamkeit und Faninteresse mit. In der Leistungssäule zählt aber vor allem sportliche Kontinuität. Genau die muss sich der Klub nach den unruhigen Jahren erst wieder erarbeiten.
Der Aufstieg bleibt finanziell trotzdem enorm wichtig
Trotz Rang 17 ist der Bundesliga-Aufstieg für Schalke wirtschaftlich ein großer Schritt. Der Grund liegt im Unterschied zwischen den beiden Ligen. Von den nationalen Medienerlösen gehen 80 Prozent an die Bundesliga und 20 Prozent an die 2. Bundesliga. Bei 1,121 Milliarden Euro pro Jahr entspricht das grob rund 897 Millionen Euro für die Bundesliga und rund 224 Millionen Euro für die 2. Bundesliga.
Da beide Ligen jeweils 18 Klubs umfassen, ist der durchschnittliche Bundesliga-Anteil pro Klub deutlich höher als in der 2. Liga. Der Aufstieg bringt Schalke also grundsätzlich mehr finanzielle Möglichkeiten. Nur landet der S04 innerhalb der Bundesliga-Verteilung nicht automatisch im sicheren Mittelfeld, sondern steigt nach den Krisenjahren eher im unteren Bereich ein.
Das ist für die Kaderplanung relevant. Zwei bis drei Millionen Euro Unterschied zu direkten Konkurrenten sind im Profifußball keine Fantasiesumme, für Schalke aber auch kein Randthema. Solche Beträge können Einfluss darauf haben, ob ein Leihpaket möglich ist, wie viel Spielraum im Gehaltsbudget bleibt oder ob ein zusätzlicher Kaderspieler realistisch wird.
Schalke muss sich die bessere Position neu verdienen
Für Schalke ist Rang 17 in der TV-Geld-Tabelle kein schönes Signal, aber auch kein Grund zur Panik. Die Platzierung zeigt vor allem, dass die schwachen Jahre nicht einfach weg sind, nur weil der Aufstieg gelungen ist. Das System schaut nicht nur auf den Moment, sondern auf mehrere Spielzeiten. Und genau da hängen dem S04 die vergangenen Zweitliga-Jahre noch nach.
Ändern kann Schalke das nur sportlich. Eine stabile Bundesliga-Saison würde in der Fünfjahreswertung sofort helfen. Bleiben die Königsblauen drin und sammeln weiter Punkte, verbessert sich auch die Position bei den TV-Geldern Schritt für Schritt.
Der Aufstieg bringt Schalke also zurück in einen deutlich größeren Geldtopf. Ganz oben mitverdienen wird der S04 aber nicht sofort. Dafür muss der Klub erst wieder über mehrere Jahre zeigen, dass er sportlich stabiler geworden ist. Rang 17 ist deshalb weniger ein Skandal als eine Erinnerung daran, wie teuer die letzten Jahre noch immer sind.
Text: Marcel Schwering
